Superheromäulchen.

Gestern hatte ich das erste Mal Elternsprechtag im Kindergarten. Speziell ging es gestern dann um das Löwenmäulchen, wie es sich in der Gruppe eingelebt hat, was für Charakterzüge er deutlich zeigt, wie seine Entwicklung voran schreitet … diese Dinge eben.

Zunächst Mal ist das Löwenmäulchen, ganz so wie ich ihn kenne, ein immer fröhliches, kuscheliges und sehr albernes Kind. Er kichert den halben Tag vor sich hin, während er Stühle schiebt, in Bücherkisten klettert oder auch einfach mal eine halbe Stunde auf einem Stuhl sitzt, mitten im Raum. Die andere Hälfte des Tages kuschelt oder isst er.

Ich wunderte mich bereits, warum die Frühstücksdose in den letzten Wochen nie leer war. Wo mein Löwenmäulchen doch ein Fressmäulchen ist. So erfuhr ich gestern, dass man ihm das Frühstück nun portioniert, da er sonst kein Mittagessen mehr essen wollte. Macht auch Sinn. Grundsätzlich isst der kleine Herr Löwenmaul nämlich, bis nichts mehr da ist. Heute Morgen hab es dann also nur zwei Brot-Dreiecke, Gurke und Tomätchen.

Das Löwenmäulchen ist ein freundliches Kind, das großes Interesse an anderen Kindern zeigt und mit diesem sehr aktiv interagiert. Er stört sehr selten das Spiel anderer, sondern organisiert sich selber drum herum und mitten rein. Er reicht Bauklötze an, statt Türme umzuwerfen und holt weggerollte Murmeln zurück, statt sie zu verstecken.

Er hat ein wahnsinnig gutes Verständnis für Sprache, Zusammenhänge und Kommunikation. Auf ein „Gibt dem X bitte das und das.“ Oder auch „Lass das bitte sein!“ reagiert er umgehend. Dafür spricht er kein einziges Wort. Er macht ein Geräusch, das sich wie Papa anhört. Ich habe auch schon mal ein Affa oder ein Haja gehört. Wirklich reproduzieren lassen sich diese Laute aber nicht. Wenn er Werwolfisch spricht, hat er eine so dunkle und raue Stimme, dass man denken könne, er habe die letzten 16 Monate geraucht und gesoffen. Tatsächlich grinst die Erzieherin, dass sie in all ihren Jahren noch nie ein Kleinkind mit einer so derart tiefen Stimme erlebt hat. Und die Frau ist sicher keine 30 mehr.

Auffällig ist, dass das Löwenmäulchen so gut wie gar nicht Brabbelt oder Plappert, wie es die meisten Kinder in seinem Alter tun. Er Werwolft halt. Allerdings weiß ich schon, dass er eine ganz hohe und piepsige Stimme bekommt, wenn er zum Beispiel „Da!“ sagt.

Überrascht hat mich, dass man auch dem Löwenmäulchen eine sehr bemerkenswerte hohe soziale Kompetenz bescheinigt. Er tröstet andere Kinder! Er teilt von sich aus sein Essen (z.B. Trauben), wenn das Nebenkind anfängt zu weinen, weil seine eigene Portion schon alle ist. Ich war sehr gerührt zu hören, dass auch unser Jüngster ganz offensichtlich ein großes Empathiegespür hat. Das ist mir zu Hause bisher nie wirklich bewusst aufgefallen, weil dort ja der Quietschbeu eher der ist, der sich um den Kleinen kümmert.

(Exkurs: ich bin Gott froh, dass die Jungs nicht in eine, sondern in getrennte Gruppen gekommen sind. Es tut ihnen so gut, dass jeder seinen eigenen Freiraum und seine Freunde hat. Ich würde das nie wieder anders machen wollen!)

Das Löwenmäulchen ist ein sehr zutraulicher kleiner Kerl, der keine Unterschiede zwischen seinen 3 regulären Erzieherinnen macht. Er herzt und kuschelt sie alle gleichermaßen gerne und intensiv. Er ist ein Herzmäulchen, durch und durch.

Am meisten berührte mich dann die Aussage, dass sie alle Drei sehr glücklich und froh wären, das Löwenmäulchen in ihrer Gruppe zu haben. Er würde so eine Ruhe und Friedlichkeit ausstrahlen, dass selbst im größten Tumult und Stress ein kurzer Blickwechsel, ein Grinsen, ein Zwinkern oder ein kurzes Kuscheln mit dem Löwenmäulchen alle wieder besinnen würde.

Jedenfalls gibt der kleinste Herr Miez gar keinen Anlass zur Sorge. Alles ist gut, wie es ist. ?

***

Auch zu Hause erleben wir das Löwenmäulchen momentan als herzerfrischenden Kicherkeks. Wenn er des Nachts in mein Bett umzog und morgens mit uns wach wird, dann muss er unbedingt noch mal ganz feste kuscheln. Dann kullert er sich auf Papas Bettseite und küsst seinen Papa feucht wach, bis dieser ihn auch noch mal ganz feste drückt und kuschelt.

Dann klettert das Löwenmäulchen aus dem Bett, tapst in den Flur und kräht nach mir, bis ich komme und ihm die Zimmertür zum Miezbeuschlafzimmer öffne. Dort krabbelt er dann in das Quietschbeubett, kniet sich vor seinen großen Bruder und küsst ihn auf die Wange. Mit einem lauten Schmatzgeräusch. Überhaupt ist das Löwenmäulchen der Einzige, der den Quietschbeu immer und zu jeder Zeit küssen darf.

Sein Lächeln ist entwaffnend. Immer. Leider.

Wir lieben ihn so sehr!

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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10 Gedanken zu „Superheromäulchen.

  1. Zum Einen klingt das alles total super! Wie schön, dass das LM sich so gut eingelebt hat und auch scheinbar in der Gruppe angekommen ist…

    Zum Anderen einfach nur ?
    Toll geschrieben übrigens – wie immer!

  2. Die Liebe, die man als Mama für sein Kind hat und so viele positive Eigenschaften, die einem täglich Begegnen sind das eine. Aber wenn man merkt, dass auch andere – sozusagen fremde Menschen das eigene Kind für diese Eigenschaften lieb gewinnen, dann dann… hach.
    Das ist einfach nochmal ein ganz anderes Level an Mutterliebe und Stolz.

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