Stay at home-Tagebuch Tag 14

Nun, es musste wohl so kommen. Nach 3 wirklich guten Tagen heute dann die große Talfahrt. Allerdings nicht nur bei mir, sondern auch bei den Kindern. Ich sah es schon heute Nacht kommen, als das zweite Kind jammernd vor meinem Bett stand und um Asyl bat. Zudem kreiste heute Nacht immer wieder ein Polizeihubschrauber über dem Haus, weil es in der Nähe einen Unfall mit flüchtigen Insassen gab.

Wir haben trotzdem versucht das Beste daraus zu machen und ausgiebig gefrühstückt. Danach hingen wir eigentlich alle nur so rum. Mal kam der eine, dann der andere zum Kuscheln vorbei. Es schien, dass sogar zu wenig Energie zum Streiten vorhanden war. Ich hab mir eine Intensivkur in die Haare geschmiert und am Handy Zeitfresserspielchen gezockt. Also wirklich gar kein erwähnenswertes Tun oder Handeln.

Hunger hatten wir natürlich irgendwann trotzdem und so bin ich nach einer ausgiebigen Dusche in die Küche gestiefelt und habe vegetarische Bolognese gekocht. Die Kinder waren voller Vorfreude, ich war voller Vorfreude. Spaghetti mit Bolognese ist einfach das Beste.

Doch scheinbar musste dieser Tag noch mal den Mittelfinger recken und so kippte mir beim Abgießen der Spaghetti das Sieb um und die Hälfte der gekochten Spaghetti rutsche ins Becken und in den Ausguss. Als ich das Missgeschick realisierte schrie ich entsetzt auf, weil mir sofort klar war, dass das so nie und nimmer für alle reichen würde, aber wir haben uns doch alle so auf das Essen gefreut und zack … flossen die Tränen.

Von dem lauten Schrei angelockt erschienen die Kinder in der Küche. Der Große fragte besorgt was passiert sei und ich stammelte nur, auf die Nudeln zeigend, dass mir das Essen ins Waschbecken gefallen wäre. Gefolgt von neuen Tränen und lautem Schluchzen.

Sofort schlossen sich alle anwesenden Kinderarme um mich und hielten mich ganz fest. Der Große flüsterte beruhigend: “Ist gut, Mama, das ist nicht schlimm. Alles wird gut. Alles wird gut!”

Habe ich schon mal erwähnt, wie sehr ich diese Kinder liebe? Die, die mich täglich Nerven kosten, zanken, brüllen, Dinge tun, die sie nicht tun sollen und Dinge ignorieren, die sie bitte erledigen sollen? Genau die! Die liebe ich einfach abgöttisch. Weil sie ihre heulende Mama in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut wird.

Mit ein paar Minuten Abstand und drei mal tief Durchatmen war ich dann wieder so gefestigt, dass ich einfach einen neuen Topf Spaghetti kochte, während die Kinder die geretteten Reste der ersten Fuhre verspeisten. Und weil so viel Bolognese übrig blieb, machen wir morgen einfach nochmal Nudeln.

Im Anschluss an das Essen liefen der Große und ich noch eine kleine Runde über das Feld, auf dem es heute wie Hechtsuppe zog und wir trotz Schal und dicken Jacken ordentlich froren.

Quelle: coronazaehler.de, 29.03.2020

Die frische Luft tat trotzdem unglaublich gut und vertrieb die restlichen grauen Wölkchen, die noch so um mich herum flogen. Sonntag ist und bleibt der Tag, an dem das Mann/Papa-Vermissen besonders groß ist. Die fehlende Sonne und die nach wie vor angespannte Situation tun da ihr übriges. Und ja mir fehlen manchmal auch einfach Erwachsene, mit denen man sich unterhalten und austauschen kann.

Ich habe dennoch nach wie vor den festen Vorsatz, morgen wieder einen ganz tollen und motivierten Tag zu haben. Ich müsste allerdings morgen auch mal in die Drogerie, weil Zahnpasta, Taschentücher und Reinigungsmittel zur Neige gehen und da ist Haben definitiv besser als dringend Brauchen. Sofern es wieder Taschentücher gibt.

Zur abschließenden Erheiterung Aller hier nun noch das tägliche Zauber-Video unseres Schulleiters. Immerhin das brachte mich heute sehr zuverlässig zum Schmunzeln.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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8 Gedanken zu „Stay at home-Tagebuch Tag 14

  1. Hach, ich kann das gut nachfühlen. Habe vorhin auch aus dem Nichts angefangen zu weinen. Finds halt so schwierig, weil ich mich nicht darauf einstellen kann, wie lange es jetzt noch so weiter geht. Bei euch dann noch das Mann/Papa fehlen… Fühlt euch gedrückt, es ist so schön dass ihr euch da so auffangen könnt! Habt den besten Montag ever morgen, es sei euch gegönnt!

  2. Solche Tage gehören dazu und vor 3 Wochen hätten Sie bestimmt geschimpft und einen kleinen Fluch vor sich hin gefummelt, dann aber einfach neue Nudeln gekocht. In der jetzigen Situation sind solche Missgeschicke das berühmte Tröpfchen, das das Fass zum Überlaufen bringt. Ich finde Sie machen das ganz großartig als “Alleinerziehende” und die Kinder dürfen ruhig sehen, dass Mamas auch mal schwach sind, um so schöner, dass sie so empathisch sind und wissen, was Mama hilft. Einfach viel kuscheln und morgen ist ein neuer Tag, hoffentlich wieder ein guter. 😊👍✊💚⚘

  3. Liebe Pia,

    Morgen wird bestimmt wieder ein guter Tag!

    Meinen letzten Drogerie Einkauf hab ich einfach online gemacht und mir an eine Packstation schicken lassen. Vielleicht auch eine Alternative für dich. Taschentücher konnte man da auch bestellen …

    Liebe Grüße
    Doreen

  4. Bitte, Bitte: WO bekommt man dieses Pommesoutfit? Das könnte hier bei einem Teenager SEHR die Moral heben. Und hattet ihr heute eine Challenge bei euch bzgl.verrückte Kleidung, wenn ich mir Herrn Zauberer dazu anschaue? Hihi.

    Hier hat es heute auch ordentlich Tränen gegeben, vielleicht war es der Wetterwechsel? Ich wünsche euch sehr, dass die Papaabwesenheit bald vorbei ist. Bestimmt wird er da gebraucht, wo er ist, sonst wäre er nicht fort. Und ich bin ihm dankbar, dass er es macht und rechne euch die Tapferkeit hoch an. Anders ginge es wohl auch nicht. Aber Team D. darf gern bald mal wieder komplett sein und Nerven tanken. Alles, alles Gute!!!!

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