Stay at home-Tagebuch Tag 32

Der Tag begann wie nahezu alle Tage der letzten 32 Tage. Ganz schön viele Tage, hm?

Aufstehen, Duschen, Kaffee trinken, die Kinder wecken, Frühstück machen. Hups, halt! Da war jetzt irgendwie was anders, oder? Genau, das große Kind bat gestern darum, dass ich ihn doch bitte früher wecken solle, da er abends einfach nicht einschlafen könne. Letztendlich lag er dann noch gut eine Stunde im Bett rum, bevor sich dann alle an den Frühstückstisch bequemten.

In Sachen Schulkram war heute sowas von die Luft raus. Der Große flippte bei jedem schiefen Buchstaben aus, die Gräte warf erst ihr Lies mal Heft, dann den ganzen Hausaufgabenordner durchs Wohnzimmer und der Mittlere versteckte sich erfolgreich auf dem Klo. Gut, dann halt heute nicht.

Den Großen konnte ich nach einer Stunde endlich davon überzeugen, dass es heute wirklich keinen Sinn macht. Aber die Angst, dass kommenden Montag erneut Unmengen an Lernkram auf ihn einprasselt, den er alleine bewältigen muss, sitzt eben tief. Dabei bekommt er dass im Grunde wirklich gut hin, kann Fragen, wenn etwas nicht passt und sogar zuhören, wenn ich ihm antworte. Es gibt wirklich schwierigere Kandidaten für Homeschooling.

Am frühen Nachmittag hab ich mich wieder hauptsächlich mit Schulkram, diesmal aber organisatorischer Natur, beschäftigt. Telefonate mit Eltern und Elternvertretern zu der Frage, wie es denn nun ab kommender Woche weitergeht sowie die Pressekonferenz des Landes, der ich aufmerksam folgte. Manche Ausnahmeregelungen muss ich nicht verstehen. Zum Beispiel die, dass Einrichtungshäuser auch über 800qm Grundfläche ab kommenden Montag wieder öffnen dürfen. Ganz NRW trifft sich dann bei IKEA auf einen HotDog, oder wie? Inklusive High Five mit den Besuchern aus den Nachbarbundesländern. Da kann ich wirklich nur den Kopf schütteln.

Da ich heute um 18 Uhr eine Videokonferenz mit dem Krisenteam unserer Schule hatte, gab es heute wieder etwas früher Mittagessen. Auf die Schnelle habe ich ein paar Nuggets (Chicken und vegetarisch) angebraten und einen Salat aus der Tüte mit Jogurt-Dessing kredenzt. Bekomme ich jetzt sicher keinen Stern für, aber die Kinder waren alle satt und glücklich. Größere Ambitionen hatte ich heute auch nicht wirklich.

Heute begleiteten mich dann die beiden Jungs aufs Feld. Der Mittlere mit seinem Roller und der Große zu Fuß. Weil: “Ist ja blöd, wenn wir beide mit dem Roller fahren und du allein hinter uns her latschen musst.” Ganz viel Herz für diesen mitdenkenden Kerl.

Zwischendurch konnte ich ihn dann allerdings doch mal ein Stück voraus jagen, damit er heute Abend nicht wieder über fehlend Bettschwere klagt. Aber sind wir ehrlich: auch so eine kleine oder große Feldrunde ersetzt nicht die Bewegung, die er sonst so an einem normalen Schultag mit Sportprogramm hat.

Die Sonne brutzelte so unerwartet hart aufs uns nieder, dass wir uns nur eine mittlere Feldrunde zumuteten. Der Mittlere war komplett in Schwarz gekleidet und so konnte ich den Jungs eine kleine Lehrstunde in Sachen Farben und Lichtabsorption bzw. -reflexion geben.

Quelle: coronazaehler.de, 16.04.2020

Danach diskutierten wir anhand des neu gewonnenen Wissens noch darüber, warum ein Schatten immer Schwarz ist. Auch Feldrunden können lehrreich sein.

Wir waren dennoch froh, als wir wieder zuhause waren und erstmal jeder einen halben Liter Wasser runter stürzen konnte, bevor es für die Kids auf ihre Zimmer ging und ich den Videocall starten konnte.

Und schwups, ist der Tag auch schon wieder vorbei. Keine Ahnung wohin die Stunden sich im Moment verkriechen, aber ich habe wirklich das Gefühl, die Tage wären noch kürzer, als sie es ohnehin schon sind. Und dabei liege ich nicht mal bis mittags im Bett.

Dann sind wir mal weiter gespannt, ob sich das Land NRW bis Morgen dann mal konkret dazu äußern mag, wie die Beschulung der Viertklässler ab Anfang Mai aussehen soll. Ist ja nicht so, als hätte ich da auch ein persönliches Interesse dran, ne?

Wir lesen uns morgen.

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Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
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