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5. Juni 2012 | Pia Drießen

Back to Alltag (in progress)

Langsam, ganz langsam, findet Familie Miez nun wieder in ihren Alltag. Wir versuchen es zumindest. Die Morgen sind noch sehr anstrengend. In erster Linie ist es schwierig den einen Bruder im Auge zu behalten, während man den anderen fertig macht. Beide stromern nämlich sofort zum Miezmeedchen und müssen es intensiv Bespaßen. An sich eine feine Sache und wahnsinnig niedlich zu beobachten, aber leider überschätzen sie dann und wann ihre Kräfte und ganz besonders das Löwenmäulchen legt sich gerne mal auf sie drauf, um ihr feuchte Küsse aufzudrücken. 12500g auf 3500g ist allerdings ein ziemlich unausgeglichenes Gewichtsverhältnis. Der Quietschbeu ist da deutlich vorsichtiger, aber auch er hat schon versucht das Miezmeedchen ohne fremde Hilfe auf seinen Schoß zu nehmen. Dass er das Köpfchen dabei nicht richtig abstützt ist klar. Die meiste Zeit liegt er aber nur neben ihr und singt ihr Lieder vor, was mein Hormongeladenes Mutterherz natürlich sofort zum Überlaufen bringt.

Alles in allem brauchen sowohl der Miezmann und ich im Moment ein gutes Nervenkostüm. Beide Jungs sind ein wenig durch den Wind, den einen Tag mehr, den anderen weniger. Wir haben Tage, an denen der Quietschbeu wie ein Bilderbuchkind ist: hilfsbereit, freundlich, aufmerksam. An anderen Tag ignoriert er uns und behandelt uns wie Luft, was wahnsinnig anstrengend ist.

Das Löwenmäulchen hat sich den wohl ungünstigsten Zeitpunkt ausgesucht, um in eine ausgeprägte „Naaaaaain!“-Phase einzutauchen. Er will grundsätzlich genau das Gegenteil von dem, was er bekommt. Und ändert auch gerne fünfzehn Mal seine Meinung. „Milch! Nein! Wasser! Nein! Milch! Nein! …“ Der Ketchup-Klecks muss bitte haargenau auf den angezeigten Punkt. Und ist dann dort doch falsch. Papa muss bitte sofort die hingehaltene Nudel essen. Und erntet entrüstetes und theatralisches Geheule, wenn er das dann auch wirklich tut.

Das Miezmeedchen lässt das alles kalt. Entweder sie schläft, trinkt oder beobachtet ihre Brüder. Tatsächlich ist sie schon sehr oft längere Zeit am Stück wach, beobachtet ihre Umgebung und muckst sich nicht. Sie ist die Geräuschkulisse ja auch bereits aus meinem Bauch gewohnt. Lärm macht ihr wirklich gar nichts aus.

Was sie allerdings nicht mag ist das Autofahren mit geschlossenen Fenstern. Das mochte das Löwenmäulchen auch nicht. Macht man das Autofenster einen schmalen Spalt auf ist sofort Ruhe. Den Tipp gab mir damals beim Löwenmäulchen der Kinderarzt. Einmal ist die frische Luft beruhigend und zum andere das Geräusch der Straße, das auch unter weißes Rauschen fällt. Durch den schmalen Schlitz besteht auch keine Gefahr, dass das Meedchen einen Zug bekommt.

Zum anderen mag sie keine Mützen und andere Beengung am Kopf. Der Neugeboreneneinsatz im Maxi Cosi wird also nicht lange zum Einsatz kommen können. Das wiederum kennen wir schon vom Quietschbeu.

Erwähnte ich eigentlich schon, dass das Miezmeedchen so gut wie gar keine Fontanelle hat? Selbst die Ärztin und Claudia waren überrascht und kommentierten Augenzwinkernd: „Na, die weiß halt, dass sie große Brüder hat.“ Sie ist jedenfalls nicht groß genug, um einen Finger rein zu pieksen. Faszinierend, oder?

In den kommenden Tagen werde ich immer wieder am Geburtsbericht schreiben. Claudia fragte jetzt schon mehrfach danach und ich merke, dass die eine oder andere Erinnerung bereits verblasst. Trotzdem weiß ich immer noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Claudia und der Miezmann haben diese Geburt so anders empfunden, als ich. Natürlich. Aber auch im Vergleich zur Löwenmäulchengeburt als unkomplizierter und von mir selbstbestimmter. Das wiederum habe ich eben ganz anders empfunden. Hilfloser. Ängstlicher.

Ich werde Ihnen berichten.

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Über den Autor:
Pia Drießen, 1980 in Köln geboren, verheiratet und Mutter von 3 Kindern (*2009, *2010, *2012). Von Beruf freiberufliche Autorin und Bloggerin. Bloggt seit 2002 mal lauter und mal leiser. Virtuell unterwegs auf Facebook, bei Twitter, Pinterest und auf Google+
    
  1. Anne / Jun 5 2012

    Hihi…süßer Vertipper :-)

  2. Winnie / Jun 5 2012

    Ohje, … ich erinnere mich sehr dunkel daran, wie das vor 2 Jahren hier ablief, … du beschreibst grad mein Familienchaos, oder? ^^ Ich kann dir sagen: DAS HAT EIN EINE bzw. es wird sich wenden. Jetzt ist es die Kleinste, die hier alle aufmischt. Sie schlägt die Augen auf und schreit nach ihrer großen Schwester (weil ich meist schon auf Arbeit bin, ist sie mit fast 10 so ihre weibliche Bezugsperson) Papa schlummert oft noch 5 Minütchen, … man man man, wie die Zeit vergeht!
    Haltet durch!
    Viel Kraft!
    2 große Brüder zu haben ist gewiss später der HAMMER!

  3. Nathalie / Jun 5 2012

    Toll, dass du uns so einen ehrlichen Einblick gewährst.
    Ich bin sicher das wird sich alles bald einrenken.
    Die grossen Brüder scheinen das Miezmeedchen ja schon heute sehr zu lieben.
    Ich bin sehr gespannt auf den Geburtsbericht!
    Liebe Grüsse und viel Kraft

    Nathalie

  4. MamaMia / Jun 5 2012

    Ich bewundere Dich, zw. Dich und Deinen Mann ehrlich.. ich denke ihr macht das wirklich toll!
    Das mit der nur kleinen Fontanelle ist wirklich faszinierend, wusste nicht das es sowas gibt. Aber sicher nich tunpraktisch, bei zwei Brüderchen. *grins*
    Hach ja…. das ist sicher nicht leicht, nun zu fünft wieder in einen neuen Alltag zu finden! Alles gute weiterhin dafür, ihr macht das schon. :-)
    Auf Deinen Geburtsbericht bin ich schon gespannt…
    Ich wünschte ich hätte auch einen geschrieben, so nur für mich, denn so vieles verblasst tatsächlich so schnell und es bleibt nur wenig ganz fest in der Erinnerung. :-/
    DANKE für Deine offenen und ehrlichen Einblicke, da sist schon etwas ganz besonderes finde ich, gerade in so einer turbulenten Zeit voller spannender Veränderungen.
    LG

  5. sandra / Jun 5 2012

    hach ;-)

  6. Tanja / Jun 5 2012

    Wie schön, liebe Frau Miez. Auch wenn der Alltag erst langsam einkehrt – was ja auch klar ist – er kommt, und dann ist alles gut :)

  7. FamilieKeks / Jun 5 2012

    auch wenn sich das alles unheimlich stessig anhoert und sicherlich auch ist, hoert es sich gleichzeitig so wundervoll und warm an dass man sich am liebsten dazu gesellen wuerde :-) ihr macht das toll.

    Mein Mann hatte die Geburt auch ganz anders empfunden und erlebt als ich (was denke ich auch klar ist) Wir haben aber es damals jefer fuer den anderen einen Geburtsbericht aus seinem Erlebnis aufgeschrieben. Das war eine tolle Gelegenheit es von beiden Seiten zu verarbeiten, neu zu erleben und auch irgendwie seinen Partner auf einer andeten Seite kennen zu lernen.

    Liebe Gruesse
    FamilieKeks

  8. Nonomo / Jun 6 2012

    Auch wenn es bei euch grade sehr turbulent zugeht freut es mich, dass der Alltag bei euch so langsam einkehrt. Ich wünsche euch dafür ganz viel Kraft – ihr schafft das!

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